Geschichte

Es begann mit einem Zufall ...

Die Geschichte der Niederbayerischen Schotterwerke beginnt mit einem Zufall: Georg Seil, geb. 1858, ist von Neustift aus zu seinen Eltern in Aisterham unterwegs, als er über einen Stein stolpert. Daraufhin nimmt er das Gelände genauer unter die Lupe - und bemerkt, dass ein Hochwasser den Granitfelsen am steil zur Wolfach abfallenden Wassergraben freigelegt hat. Der Steinhauer-Lehrling beschließt, diese Entdeckung wirtschaftlich zu nutzen.

Gemeinsam mit seiner Frau und einigen Helfern beginnt er 1882 mit dem Granitabbau. Erste Produkte sind Großpflastersteine und Bruchsteine aller Größen, die mit Pferdefuhrwerken abtransportiert werden.

1908 steigt der Unternehmer Johann Rieger in den Betrieb ein, der sich seitdem "Niederbayerische Schotterwerke Rieger & Seil" nennt. Gleichzeitig wird die Regionalbahn Vilshofen-Ortenburg fertiggestellt, die den wirtschaftlichen Aufschwung des Unternehmens einleitet.

1923 führt man in Neustift erstmals eine Kammersprengung durch - für die damalige Zeit eine Sensation! Dabei werden ein bis zwei Stollen so in den Berg getrieben, dass am hinteren Ende eine Kammer entsteht. Diese wird mit Sprengstoff gefüllt, zugemauert und der Sprengstoff dann gezündet.

Zwischen den Weltkriegen erleben die Schotterwerke eine Blüte: Ende der 30er Jahre sind über 200 Mitarbeiter im Steinbruch beschäftigt, die Stundenproduktion liegt bei etwa 150 Tonnen.

In den folgenden Jahrzehnten wird das Werk immer weiter modernisiert und dem jeweiligen technischen Standard angepasst. Ein Meilenstein dieser Entwicklung ist der erste Bagger, der 1952 in das Werksgelände einfährt. Anfang der 60er Jahre arbeiten in dem Unternehmen über 400 Personen.

1988 wird der Betrieb grundlegend umgebaut: Der Brecher, der das gesprengte Haufwerk zerkleinert, wandert von den Produktionshallen hinab in den Steinbruch. Damit erhöht sich die Produktionskapazität von 3.500 Tonnen auf bis zu 6.000 Tonnen im 2-Schichtbetrieb.

Heute werden auf fünf Sohlen (Bermen) jährlich bis zu 900.000 t Granitgestein abgebaut. Die tiefste Abbaufläche mit einer Größe von ca. 4 ha liegt bei 243 Metern über dem Meeresspiegel und ist damit die tiefste offene Stelle im Landkreis Passau und weit darüber hinaus.

Zeittafel von 1882 bis heute

Firmengründer Georg Seil wird 1858 als Sohn eines Schneidermeisters aus Aisterham geboren. Nach der Schule beginnt er eine Lehre in einem Eisenwarengeschäft, die er jedoch bald abbricht, um auf das Steinhauer-Handwerk umzusatteln.

Auf dem Weg von Neustift zu seinen Eltern stolpert er eines Tages über einen Stein und nimmt daraufhin das Gelände genauer unter die Lupe. Dabei bemerkt er, dass ein Hochwasser den Granitfelsen am steil zur Wolfach abfallenden Wassergraben freigelegt hat, und er beschließt, diese Entdeckung wirtschaftlich zu nutzen.

1882

Georg Seil erwirbt ein Tagwerk Grund und beginnt mit seiner Frau und einigen Helfern mit dem Granitabbau. Erste Produkte sind Großpflastersteine sowie Bruchsteine aller Größen für den Haus- und Brückenbau. Gearbeitet wird ursprünglich nur in einigen Bauhütten: Überwiegend Frauen zerkleinern mit einem Hammer die anfallenden Absplitterungen zu Schotter und Splitten, die anschließend per Gabel in verschiedene Größen klassiert werden. Über einen befestigten Feldweg transportieren Ochsen- oder Pferdefuhrwerke die Steine nach Vilshofen. Von dort werden die Produkte zumeist auf dem Wasserwege nach Österreich verfrachtet.

1898

Einbau des ersten Schotterbrechers und einer Siebtrommel, die von einer Dampflokomobile angetrieben werden. Der Betrieb zählt bereits 25 Mitarbeiter, darunter die Söhne des Firmengründers Josef, Franz und Georg Seil.

1908 / 1909

Bau der Lokalbahn Vilshofen-Ortenburg. Im Schotterwerk werden ein Gleisanschluss und eine Verladerampe mit Aufzugwinde errichtet. Durch den Anschluss an das Eisenbahnnetz erweitert sich das Absatzgebiet auf rasch wachsende Städte Deutschlands und Österreichs.

1909

Johann Rieger aus Bayerbach verkauft Teile seines Anwesens und seine Molkerei und beteiligt sich an dem Unternehmen. Mit dem Geld, das er einbringt, werden neue Grundstücke für den Granitabbau gekauft und die gesamte Anlage modernisiert. Der Grundgedanke ist, Material von oben herab verladen zu können. Dies gelingt durch den Einbau von Elevatoren und Verladerampen. Des Weiteren werden Dieselmotoren, Brecheranlagen, Luftbohrhämmer und Kompressoren angeschafft.

1914

Eröffnung der modernisierten Anlagen.

Während des Ersten Weltkriegs wird der Betrieb im Schotterwerk - abgesehen von kurzen Unterbrechungen - die meiste Zeit aufrecht erhalten, zum Teil mit Hilfe französischer Kriegsgefangener.

1917

Der Name des Unternehmens wird in "Niederbayerische Schotterwerke Rieger & Seil" geändert.

1918

Firmengründer Georg Seil kommt bei einem Sprengunfall ums Leben.

1919

Gründung einer GmbH mit fünf Gesellschaftern zu gleichen Teilen. Als neue Gesellschafter kommen Karl Beck, Bankdirektor in Vilshofen, und Franz-Xaver Attenkofer, Bezirksbaumeister in Mallersdorf, hinzu.

Josef Seil, Sohn des Firmengründers, wird zum Geschäftsführer bestellt.

Zwischen den Weltkriegen

Mit den neuen Beteiligungen erhöht sich die Leistungsfähigkeit des Unternehmens. In Nammering und Masering bei Tittling werden weitere Steinbrüche gekauft und als Schotterwerk bzw. als Pflaster- und Werksteinbetrieb eingerichtet. Die Produktpalette wird durch Zementstein und Zementdachziegel erweitert.

Das Unternehmen zählt zeitweilig bereits 220 Mitarbeiter.

In den 20er Jahren gewinnt Granit immer mehr an Bedeutung für den Straßen- und Gleisbau. Er verdrängt den bis dahin bevorzugten Basalt.

Der Wirtschaftsaufschwung nach der Inflation steigert die Nachfrage nach Schotter weiter und beschert dem Neustifter Werk volle Auftragsbücher.

Auf dieser Grundlage erfolgt die weitere Modernisierung des Betriebs:

Ein Schrägaufzug mit 2,5 t Nutzlast, der das Gestein aus der Tiefe fördert, ein Schottersilo mit rund 800 t Fassungsvermögen, die Erweiterung des Gleisanschlusses sowie ein Splittwerk mit Waschanlage sind die Meilensteine dieser Entwicklung.

1923

Erste Kammersprengung im Neustifter Steinbruch - für die damalige Zeit eine Sensation!

Dabei werden ein bis zwei Stollen so in den Berg getrieben, dass am hinteren Ende eine Kammer entsteht. Diese wird mit Sprengstoff gefüllt, zugemauert und der Sprengstoff gezündet.

1936

Umwandlung der GmbH in eine OHG.

1937

Einbau eines Vorbrechers. Er kann Steine von max. 400 bis 600 mm Kantenlänge auf eine Größe von etwa 0 bis 120 mm zerkleinern. Zum Vergleich: Heute erfasst der Vorbrecher Steine von bis zu 800 bis 1400 mm Kantenlänge, die er auf 0 bis 250 mm herunterbricht.

1938 / 39

Errichtung eines Schottersilos mit ca. 800 t Inhalt. Da nach wie vor alles per Hand aufgeladen wird und die Anzahl der Abbau- und Ladestellen begrenzt ist, liegt die Stundenproduktion bei etwa 150 t. Wenn es die Sichtverhältnisse zulassen - bei Vollmond - wird häufig auch nachts gearbeitet.

Ende der 30er Jahre sind im Schotterwerk rund 200 bis 250 Personen, darunter auch Schlosser, Schmiede, Maurer und Zimmerer beschäftigt.

1939 - 1948

Der Zweite Weltkrieg bringt auch dem Unternehmen schwere Zeiten. Zur Deckung des kriegsbedingten Schotterbedarfs der Reichsbahnen werden in Ermangelung heimischer Arbeitskräfte auch Kriegsgefangene eingesetzt. Der allgemein desolate Zustand Deutschlands nach Kriegsende spiegelt sich auch bei den Schotterwerken wieder. Die Produktion kommt aber trotz schwieriger Verhältnisse nicht zum Erliegen.

Erst nach der Währungsreform 1948 kommt wieder Schwung in die Wirtschaft des zerstörten Landes. Eine neue Aufbruchstimmung entsteht ...

1948

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernimmt Gesellschafter Karl Beck die Geschäftsführung.

Als Bruchmeister bzw. technischer Leiter stehen ihm Albert und Bernhard Rieger, die Söhne des Gesellschafters Johann Rieger, sowie dessen Schwiegersohn Max Wilhelm als Betriebsleiter und Prokurist zur Seite.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit ist die Arbeit sehr mühsam: Treibstoffe, Ersatzteile und Strom sind knapp und schwer zu beschaffen. Trotzdem wird die Produktion aufrecht erhalten. Die Tagesleistung beträgt ca. 700 t.

Mit dem Wiederaufbau des Landes nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges setzt ein vermehrter Bedarf an Gleis- und Straßenbaustoffen ein. Um die gestiegene Nachfrage erfüllen zu können, beginnt die technische Modernisierung des Werkes. So wird etwa der Steinbruch auf Lokbetrieb umgestellt: Die Rollwagen, die vorher von den Arbeitern per Hand manövriert werden mussten, werden nun von kleinen Lokomotiven gezogen.

1952

Der erste Bagger kommt in den Betrieb. Er wird für die Abraumbeseitigung eingesetzt und hat ein Fassungsvermögen von 0,5 Kubikmetern. Zum Vergleich: Unsere derzeit eingesetzten Hydraulikbagger haben ein Schaufelvolumen von circa 5 m³ und wiegen bis zu 95 t.

1955 / 56

Umstellung des Steinbruchs von Handbetrieb auf Baggerbetrieb. Um die Bagger an ihren Einsatzort zu bringen, wird eine Straße in den 40 Meter tiefen Steinbruch gebaut. Vorher bestand der einzige Zugang in einer Treppe mit 222 Stufen.

Die Mechanisierung schreitet weiter voran: Bei den Betriebsvorrichtungen wird Holz durch Beton und Stahl ersetzt. Dem zunehmenden Absatz per Lastkraftwagen wird durch eine Befestigung des Werkhofs und durch die Errichtung einer neuen Wolfachbrücke im Jahr 1954 Rechnung getragen.

1958 / 59

Bau der neuen Werkstatthalle mit Werkmeisterbüro und Sozialgebäude.

Das alte Splittwerk wird durch eine neue Edelsplittanlage mit Waschanlage ersetzt, die eine höhere Produktionskapazität hat und mit entsprechenden Silos mehr Lagervolumen bietet.

Auch der Transport der Schüttgüter wird modernisiert: Neue Schaufellader ermöglichen eine Verladung unabhängig von den ortsgebundenen Ladestationen.

Einführung des Großbohrloch-Sprengverfahrens.

Die Kapazität liegt nun bei rund 250 t pro Stunde.

1961

Bau der neuen Betriebskantine mit Kegelbahn für die damals über 400 Mitarbeiter zählende Belegschaft.

1962 / 63

Die Vorbrecheranlage wird umgebaut und den neuen technischen Gegebenheiten angepasst.

Bis Mitte der 50er Jahre wurden die Steine im Bruch per Hand in die einen Meter hohen Rollwagen gehievt. Felsbrocken, die so groß waren, dass zwei Mann zusammen sie nicht heben konnten, erreichten die Vorbrecheranlage erst gar nicht. Für den Kübelaufzug, der die Steine aus dem Steinbruch zum Vorbrecher herauf förderte, war daher eine Kapazität von 2,5 t ausreichend.

Das ändert sich Anfang der 60er Jahre: Als im Steinbruch Seilbagger mit 0,5 Kubikmetern Löffelinhalt und Transportfahrzeuge mit 5 t Zuladung eingeführt werden, muss auch die Kapazität von Kübelaufzug und Vorbrecher gesteigert werden.

1967

Durch die Automatisierung der Aufbereitungsanlage erhöht sich die Sicherheit im Betrieb: Bei Ausfall einer Maschine werden die vorgeschalteten Anlageteile nun automatisch abgeschaltet.

Einbau einer Entstaubungsanlage, eine Art riesiger Staubsauger, der die Feinstäube bereits am Entstehungsort absaugt, damit sie nicht in die Umwelt gelangen können.

1969

Max Wilhelm, langjähriger Betriebsleiter, übernimmt die Unternehmensführung.

Anfang 70er Jahre

Umstellung auf kleinere Hydraulikbagger von 0,8 Kubikmetern Löffelinhalt und 10-Tonner-Transportfahrzeuge im Steinbruch und Anpassung der Vorbrecheranlage. Der neue Schrägaufzug fasst einen Kübelinhalt von 10 t.

Auch Brecher und Siebmaschinen werden durch modernere, entstaubte Versionen ersetzt.

Um die Logistik zu optimieren, gliedert das Unternehmen einen Fuhrbetrieb mit Werk- und Güternahverkehr an.

1972 / 73

Umwandlung der OHG in eine GmbH & Co. KG.

1982

Max Wilhelm tritt aus Altersgründen zurück. Die Gesellschafter ernennen seinen Sohn Fritz Wilhelm zum neuen Geschäftsführer. Das Werk nimmt Planumsverbesserungsmaterial für den Gleisbau neu in sein Lieferprogramm auf.

1986

Nach dem Ausscheiden von Fritz Wilhelm übernimmt der langjährige Betriebsleiter Dipl.-Ing. Günter Sauer im Dezember die Geschäftsführung.

1988

Grundlegender Umbau des Betriebes. Der Vorbrecher wandert aus der Aufbereitung am Steinbruchrand auf die halbe Abbauhöhe des Steinbruches. Damit ist die Produktionskapazität nicht mehr von der begrenzten Kapazität des Schrägaufzugs abhängig, der die Steine aus dem Bruch zum Brecher hinauftransportierte. So kann die Stundenleistung auf bis zu
400 t erhöht werden.

2003

Dipl.-Berging. Peter Gusek wird im April zum zusätzlichen Geschäftsführer ernannt.

2005

Dipl.-Ing. Günter Sauer scheidet aus Altersgründen im Mai aus der Geschäftsführung aus.
Dipl.-Berging. Peter Gusek übernimmt die Geschäftsführung allein.

Heute

Heute werden auf fünf Sohlen (Bermen) jährlich bis zu 900.000 t Granitgestein abgebaut. Die tiefste offene Abbaufläche mit einer Fläche von ca. 4 ha liegt bei 243 Metern über dem Meeresspiegel und ist damit die tiefste offene Stelle Südbayerns.

Um die modernen Gleisbauunternehmen und Mischanlagen für den Straßenbau, die täglich 2.000 bis 3.000 t Schotter bzw. Spezialkörnungen verarbeiten können, zu beliefern, bedürfen Vorratshaltung, Verlade- und Transportkapazitäten einer optimalen Logistik: Auf dem Schienenwege sowie mit 14 eigenen und zusätzlich auch angemieteten LKWs werden die Produkte in den ganzen süddeutschen Raum sowie ins benachbarte Österreich transportiert.

Das Unternehmen beschäftigt derzeit 60 Mitarbeiter sowie bis zu vier Auszubildende. Für Neustift und die Marktgemeinde Ortenburg ist der ortsgebundene Betrieb ein wertvoller Wirtschaftsfaktor.

Niederbayerische Schotterwerke
Rieger & Seil GmbH & Co. KG

Neustift, Zum Steinbruch 1
94496 Ortenburg
Telefon: +49 8542 9616-0
Telefax: +49 8542 9616-10
E-Mail: info@ndb-schotterwerke.de

Sie erreichen unser Büro:

Montag - Donnerstag 7:30 - 17:00 Uhr
Freitag 7:30 - 12:00 Uhr

Das Werk hat geöffnet:

Montag - Donnerstag 6:30 - 17:00 Uhr
Freitag 6:30 - 15:00 Uhr

Wir sind Mitglied im Industrieverband Baustoffe, Steine und Erden e.V., Fachgruppe Naturstein.

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